September 01, 2020

Sali zämu

Während einer persönlichen Krise reiste ich im Juli 2012 für einige Wochen durch Brasilien. Ein Neustart musste her, neues Gasolina für den Motor: Am Strand von Lopes Mendes auf der Ilha Grande hatte ich dann mein pseudo-spirituelles Erweckungsmoment, welches sich in einer Netflix-Doku übrigens super kitschig inszinieren liesse, der Gedankenblitz mit den Füssen im feinsten Sand:

"Ich will meine eigene Weinkellerei starten, von A-Z alles selber machen!"

Grande euforia escandalosa!

Ilha Grande

Es dauerte dann ein bisschen, bis alles geklärt war, wo möchten wir die Weine machen? Welche Weine etc.? Ein Jahr und drei Monate später startete das Abenteuer im Herbst 2013 - bewaffnet mit einigen Kilos frisch geernteter Gewürztraminer Trauben und unverzollten Flaschen hochprozentigem Alkohohl aus Domodossola (das erste Fass steht übrigens heute noch in unserem Kühlraum). Mit dabei auf den ersten Metern, wie eigentlich immer, mein "Tschutter"-Kollege und Partner in Crime David Constantin.

Leyton Orient

Diesmal wollte ich aber ALLES selber machen:

Ein guter Firmennamen musste also her: Inspiriert vom Song Indianer von Marsimoto war dieser schnell gefunden und passte perfekt zur angestrebten Position als Underdog.

Ausgesprochen gutes Storytelling, meine Eltern als lezte Rebbauern von Salgesch. Mir selber auf die Schultern klopfend! Logo designt und Merchandise produziert. Hut ab! 

Cap

............

Fast Forward einige Jahre später: Mittlerweile schrieben wir den Sommer 2020, glücklicherweise kam mein Bruder Romeo in der Zwischenzeit mit aufs Soloalbum, fertig Ego Trippin'. Es war Juli und die weltweite Pandemie hatte eine gute Performance hingelegt, die Hochsaison in den Reben neigte sich endlich dem Ende zu, ebenso wie der dritte Jahrhundertsommer in Folge. Wir standen kurz vor unserem 5. Summärträffu, Business as usual also und plötzlich merkten wir, dass es Zeit für einen Wandel wurde:

Das Verhältnis zu unserem Firmennamen wurde immer ambivalenter.

Dies hängte damit zusammen, dass sich der Firmenname, für die Weinkellerei eines Schweizer Teilzeit-Bankers und eines Elektroingenieurs, im Zuge der weltweiten Proteste nicht mehr richtig anfühlte. Es ging mir bei der Namenswahl weder um kulturelle Aneignung, noch um eine Machtdemonstration als Teil einer weissen Mehrheitsgesellschaft, aber es spielte plötzlich keine Rolle mehr worum es mir ging und auch diese innere Rechtfertigungsposition war keine erstrebenswerte.

Neues Logo

Wir fragten uns deshalb was wir tun könnten? Wir wollten Indianär nicht länger kommerziell nach aussen tragen.

Mit Wundärland haben wir nach unzähligen hastig einberufenen Telefonkonferenzen und Brainstorming-Sessions einen neuen Firmennamen gewählt, der von Anfang an Teil der DNA unserer Kellerei war. Da unsere Mutter Alice heisst hatten wir unseren Pinot Noir bereits von Anfang an so benannt und das Wallis war für uns immer schon ein wahres Wein Wundärland.

Den darauffolgende Hustle und Stress in Verbindung mit dem Namenswechsel, der sich bis in den November zog, werde ich in einem Buch oder separatem Blogpost verarbeiten.

Ein Beispiel waren die bereits vor der Namensänderung produzierten Korken, welche bereits geliefert wurden und noch auf den Namen Indianär lauteten.

Kork

Diese verwendeten wir aus ökologischen und vor allem auch ökonomischen Gründen trotzdem. Sie sind heute quasi Zeitzeugen einiger verrückter Monate.

In dem Sinne, nette Grüsse aus dem Wundärland!

Euer Sandro

Disclaimer: Wir schämen uns nicht für unsere Vergangenheit, deshalb heisst die Rebbearbeitungsfirma unseres Vaters auch weiterhin Indianär GmbH. Die Gesellschaft bezweckt die Pflege der eigenen und gemieteten Rebparzellen. Mein Bruder und ich sind weiter Gesellschafter in dieser Gesellschaft, weshalb erklären wir euch gerne bei einem Glas Wein.


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